Es gibt diese Frage, die mir auf jeder Kanaren-Reise mindestens einmal gestellt wird, meistens am Strand von Maspalomas, mit Sand in den Haaren und einem Sonnenbrand im Nacken: "Sag mal, wann ist eigentlich die beste Reisezeit für Gran Canaria?" Und jedes Mal merke ich, wie ich innerlich seufze, weil die ehrliche Antwort lautet: Es kommt drauf an, was Sie suchen. Aber genau das ist der Punkt, an dem die meisten Reiseportale aufhören. Sie werfen Ihnen eine Klimatabelle vor die Füße und wünschen einen schönen Urlaub.
Dabei ist die beste Reisezeit für Gran Canaria alles andere als eine Einheitsantwort. Ich habe inzwischen fast jede Jahreszeit auf der Insel erlebt, von brüllend heißen Augusttagen bis zu einem November, in dem ich im T-Shirt durch Las Palmas gelaufen bin, während meine Freunde in Deutschland Schnee geschippt haben. Und ich habe auch die Momente erlebt, in denen ich dachte: Okay, das hätte ich besser planen sollen.
Wichtige Erkenntnisse
- Gran Canaria ist grundsätzlich ganzjährig bereisbar, mit Tagestemperaturen zwischen etwa 21 und 28 °C.
- Der August ist der wärmste Monat, der Januar der kälteste – relativ gesehen, denn kalt ist hier nichts.
- Am meisten Regen fällt von November bis Januar, mit bis zu vier Regentagen im Dezember.
- Am günstigsten reisen Sie außerhalb der Hauptsaison und der Schulferien.
- Der Süden (Maspalomas, Playa del Inglés) ist deutlich trockener und sonniger als der Norden.
- Für Wanderer sind Frühling und Herbst ideal – im Sommer wird es im Inselinneren schnell unangenehm heiß.
Die beste Reisezeit für Gran Canaria: eine Frage des Typs
Wer zum ersten Mal auf die Insel kommt, landet meistens im Süden, in einer dieser Bettenburgen, die man aus der Luft schon von Weitem sieht. Und dort ist das Wetter tatsächlich so stabil, dass man fast von einem Wetter-Abo sprechen könnte. Die Klimatabelle für Maspalomas und Umgebung liest sich wie ein Wunschzettel: Selbst im Januar liegen die Höchstwerte bei rund 21 °C, im August kratzt man an der 28-Grad-Marke. Wassertemperaturen zwischen 18 und 23 °C.
Das Ding ist: Diese Tabelle sagt Ihnen nicht, wie sich die Insel anfühlt. Sie sagt Ihnen nicht, dass der Wind im Juli mit fast 30 km/h über die Dünen pfeift, dass die Sonne im August so unbarmherzig vom Himmel brennt, dass Sie mittags freiwillig in den Schatten flüchten, und dass der Norden der Insel zur gleichen Zeit in Wolken gehüllt sein kann, während im Süden die Sonne knallt.
Die vier Jahreszeiten im Schnelldurchlauf
Ich habe die Insel über die Jahre in alle vier Ecken des Kalenders kennengelernt. Hier meine ehrliche Einordnung:
- Frühling (März–Mai): Meine persönliche Lieblingszeit. Temperaturen um die 23 °C, wenig Regen, und die Insel steht in voller Blüte. Ideal für Wanderungen im Inselinneren.
- Sommer (Juni–August): Heiß, sehr sonnig (bis zu 10 Sonnenstunden täglich), aber auch voll. Im August klettern die Werte auf 28 °C und mehr, in den Bergen kann es unerträglich werden.
- Herbst (September–November): Der zweite Geheimtipp. Das Meer ist noch warm (23 °C im September und Oktober), die Menschenmassen lichten sich, die Preise sinken.
- Winter (Dezember–Februar): Mild, mit 21–22 °C tagsüber, aber auch der feuchteste Abschnitt. Dezember bringt die meisten Regentage.
Kurz gesagt: Wenn Sie mich fragen, ist der Zeitraum von April bis Juni und nochmal September bis Oktober das Optimum. Das ist die Antwort, für die ich sterben würde.
Wann regnet es am meisten auf Gran Canaria?
Die kurze Antwort: im Winter, genauer gesagt zwischen November und Januar. Der Dezember ist mit durchschnittlich vier Regentagen der feuchteste Monat des Jahres, gefolgt von Januar und November mit jeweils drei Tagen. Von Mai bis August hingegen regnet es so gut wie gar nicht, die Statistik zeigt dort null Regentage.
Aber hier wird es interessant, und genau das fehlt in den meisten Klimatabellen: Wo es regnet, ist mindestens genauso wichtig wie wann. Die Insel hat nämlich ein Eigenleben.
Der Norden ist grün, weil er nass ist
Ich habe einmal eine Woche in Teror verbracht, im Norden, und in dieser Woche hat es an vier Tagen geregnet. Zur gleichen Zeit saß ein Freund in Puerto Rico im Süden am Pool und schickte mir Fotos von blauem Himmel. Das ist kein Zufall. Die Passatwinde drücken die Wolken gegen die Nordhänge, wo sie sich abregnen. Der Süden liegt im Regenschatten und bleibt trocken.
Was das für Sie bedeutet: Wenn Sie im Winter anreisen und sich über Regentage Sorgen machen, buchen Sie im Süden. Wenn Sie die grüne, wolkenverhangene Seite der Insel lieben, ist der Norden im Frühling eine Wucht. Nur eines sollten Sie nicht tun: im Januar in eine Wanderung durch den Norden starten und eine Regenjacke zu Hause lassen.
Wann ist der kälteste Monat auf Gran Canaria?
Der Januar ist statistisch der kälteste Monat, mit Höchstwerten um 21 °C und Tiefstwerten um 15 °C. Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit "kalt". Ich bin im Januar mit T-Shirt am Strand von Playa del Inglés gesessen und habe Leute gesehen, die sich über die "Kälte" beschwert haben, während sie in der prallen Sonne lagen.
Ehrlich gesagt ist der Januar für viele die unterschätzte Reisezeit. Die Weihnachtsferien sind vorbei, die Preise purzeln, und wer nicht gerade baden will, sondern wandern, Rad fahren oder die Insel erkunden möchte, hat ideale Bedingungen. Das Meer ist mit 19 °C allerdings frisch, da braucht man schon etwas Überwindung.
Ein Detail, das viele übersehen: Im Winter kann es in den Bergen deutlich kühler werden. Auf dem Pico de las Nieves, dem höchsten Punkt der Insel, habe ich im Februar schon mal eine Mütze gebraucht. Wenn Sie also Ausflüge ins Inselinnere planen, packen Sie Schichten ein.
Wann ist es am billigsten auf Gran Canaria?
Preise folgen dem Touristenstrom, und der hat klare Muster. Die Hauptsaison erstreckt sich über Weihnachten und Silvester sowie über die Sommermonate Juli und August, wenn in ganz Europa Schulferien sind. In diesen Zeiten zahlen Sie Spitzenpreise für Flüge und Hotels – manchmal das Doppelte im Vergleich zur Nebensaison.
Die günstigsten Fenster sind meistens:
- November bis Mitte Dezember: nach den Herbstferien, vor dem Weihnachtsansturm. Meiner Erfahrung nach die preislich attraktivste Zeit überhaupt.
- März bis Mai: außerhalb der Osterferien. Achtung, Semana Santa (Karwoche) treibt die Preise kurzzeitig nach oben.
- September bis Oktober: nach den Sommerferien, aber vor der Weihnachtszeit. Oft mit angenehmem Wetter und deutlich entspannteren Preisen.
Was ich selbst gemerkt habe: Wer flexibel ist und nicht in den Ferienzeiten reisen muss, kann bei Flug und Unterkunft locker 30 bis 40 Prozent sparen. Das ist kein Geheimnis, aber es wird erstaunlich oft ignoriert.
Warum wird von Reisen auf die Kanaren abgeraten?
Diese Frage taucht immer wieder auf, meistens im Zusammenhang mit Reisewarnungen. Und da muss man differenzieren, denn "von Reisen abraten" kann vieles bedeuten.
Wetterextreme und Warnungen
In seltenen Fällen kommt es auf den Kanaren zu Wetterwarnungen – etwa bei Calima, einem heißen, staubigen Wind aus der Sahara, der die Sicht trübt und die Temperaturen in die Höhe treibt. Ich habe das einmal im Februar erlebt, und es war bizarr: Der Himmel war orange, die Luft schmeckte nach Sand, und die Behörden rieten davon ab, längere Zeit draußen zu bleiben. Solche Ereignisse sind nicht häufig, aber sie kommen vor.
Ein weiterer Punkt, der in Reisewarnungen auftaucht: hohe Wellen und Strömungen an bestimmten Küstenabschnitten. Gerade an Stränden mit Warnflaggen sollte man diese ernst nehmen. Ich habe mehr als einmal gesehen, wie Urlauber die rote Flagge ignoriert haben, und das ist schlicht gefährlich.
Klimatabelle im Überblick
Hier eine kompakte Übersicht der wichtigsten Werte, damit Sie ein Gefühl für den Jahresverlauf bekommen:
| Monat | Max. Temp. | Min. Temp. | Wasser | Sonnenstunden | Regentage |
|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 21 °C | 15 °C | 19 °C | 6 | 3 |
| März | 22 °C | 15 °C | 18 °C | 7 | 2 |
| Mai | 24 °C | 17 °C | 20 °C | 9 | 0 |
| Juli | 27 °C | 21 °C | 22 °C | 10 | 0 |
| August | 28 °C | 22 °C | 23 °C | 9 | 0 |
| Oktober | 26 °C | 20 °C | 23 °C | 7 | 2 |
| Dezember | 22 °C | 16 °C | 20 °C | 6 | 4 |
Diese Werte gelten für den Süden der Insel. Im Norden und in den Bergen weichen sie teils deutlich ab, vor allem bei Regen und Sonnenstunden.
Welche Reisezeit passt zu welchem Urlaub?
Statt einer pauschalen Empfehlung hier eine Aufschlüsselung nach Reisetyp – das ist praktischer als jede Durchschnittstabelle.
- Strandurlaub: Juni bis Oktober, wenn das Wasser warm ist und die Sonne verlässlich scheint.
- Wandern: April bis Mai und September bis Oktober. Im Sommer ist es im Inselinneren oft zu heiß.
- Surfen: Für Anfänger ist der Süden ganzjährig gut, erfahrene Surfer kommen im Winter an der Nordküste auf ihre Kosten.
- Städtetrip Las Palmas: ganzjährig möglich, im Februar lockt der Karneval, im Sommer ist es in der Stadt schwül.
- Ruhe und günstige Preise: November bis Mitte Dezember.
Eine Sache, die ich unterschätzt habe, als ich zum ersten Mal im August dort war: Maspalomas heizt sich im Hochsommer auf bis zu 40 °C auf. Das ist kein Witz. Wer die Hitze nicht gut verträgt, sollte den Hochsommer meiden und lieber im Herbst anreisen.
Was am Ende zählt
Die beste Reisezeit für Gran Canaria existiert nicht als einzelnes Datum im Kalender. Sie existiert als Antwort auf die Frage, was Sie eigentlich vorhaben. Wenn Sie Sonne und Meer wollen, ist der Herbst ideal. Wenn Sie wandern und die Insel entdecken möchten, sind Frühling und Herbst Ihre Zeit. Wenn Sie günstig reisen und Menschenmassen meiden wollen, dann ist der November Ihr bester Freund.
Und vielleicht ist das die ehrlichste Empfehlung, die ich Ihnen geben kann: Reisen Sie nicht im August, wenn Sie Hitze hassen. Reisen Sie nicht im Dezember, wenn Sie Regen nicht ausstehen können. Aber kommen Sie. Denn eines stimmt wirklich, bei aller Skepsis gegenüber Reiseversprechen: Es gibt kaum einen Ort in Europa, an dem das Wetter so zuverlässig mitspielt wie hier – wenn man weiß, wann man wo sein sollte.